Fr
18
Mär
2011
Unter dem Eindruck der dramatischen Bilder und Zerstörungen in Fukushima hat die Firma Urenco als Betreiberin der bundesweit einzigen Urananreicherungsanlage in Gronau öffentlich eingeräumt, dass ihre Uranbehälter nicht wirksam gegen Flugzeugabstürze und schwere Brände geschützt sind. Gegenüber dem WDR erklärte die Urenco, an der RWE und EON ein Drittel der Anteile besitzen, dass bereits nach 25 Minuten und Temperaturen von 800° C die Behälter undicht werden könnten.
Der Borkener Landrat Kai Zwicker (CDU) sagte dem WDR, dass man in diesem Fall nur hoffen könne, dass der Wind nicht Richtung Gronau ziehe. Er forderte von der Landesregierung eine
Sicherheitsüberprüfung.
An der Gronauer Urananreicherungsanlage lagern nach letzten Informationen rund 4000 Tonnen Uranhexafluorid (UF6) unter freiem Himmel. Uranhexafluorid bildet bei Berührung mit Luftfeuchtigkeit die
tödliche Flusssäure. Experten schätzen, dass im Ernstfall je nach Windrichtung im Umkreis von mehreren Kilometern mit schweren gesundheitlichen Folgen zu rechnen ist.
„Urenco hat nun die großen Sicherheitsrisiken bestätigt, die mit dem Betrieb der Urananreicherungsanlage verbunden sind. Die UF6-Behälter gelten schon lange als Schwachstelle. Zur unmittelbaren
Gefährdung in Gronau kommen die zahlreichen Urantransporte von und nach Gronau. So fahren Züge mit mehr als 1000 Tonnen Uranhexafluorid regelmäßig von Gronau über Münster nach Rotterdam oder
Frankreich. Auch Städte wie Hamm, Duisburg, Düsseldorf, Köln, Bonn, Koblenz und Trier waren in der Vergangenheit regelmäßig von diesen Urantransporten betroffen. Ein schwerer Transportunfall
könnte auch dort jederzeit zu undichten Behältern führen,“ skizziert Matthias Eickhoff von der Initiative SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster die möglichen Gefahren.
„Dass selbst der Landrat des Kreises Borken im Ernstfall nur auf eine „günstige“ Windrichtung für Gronau hofft, ist sehr alarmierend. Die Landesregierung in Düsseldorf muss als Atomaufsicht
umgehend Konsequenzen ziehen, und die Urananreicherungsanlage in Gronau stilllegen,“ forderte Udo Buchholz vom Arbeitkreis Umwelt (AKU) Gronau und Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz
(BBU).
Atomkraftgegner planen für die kommenden Tage und Wochen auch in Gronau weitere Proteste:
1. Montag, 21. März, 18 Uhr: Mahnwache vor der Urananreicherungsanlage Gronau
2. Ostermontag, 25. April, 14 Uhr: landesweite Großdemonstration in Gronau zum 25. Jahrestag der Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl