Mo
22
Feb
2010
Rund 100 Leute demonstrierten heute am Zwischenlager Ahaus, denn das Bundesamt für Strahlenschutz ist wieder einen Schritt näher an der Änderungsgenehmigung für die bereits angekündigten Atommülltransporte nach Ahaus.
Sobald diese Genehmigung erteilt ist - was jederzeit sein kann -, kann die Atomindustrie sofort Atommüll nach Ahaus schicken. Doch für den Tag X sind bereits Aktionen angekündigt und am 24. April führt eine Großdemo zum Zwischenlager, inklusive Widerstandscamp.
Die heutige Demo am Zwischenlager Ahaus war zwar recht überschaubar, aber die Stimmung war gut und wieder wurde entschlossen der Weg über die Bahngleise eingeschlagen. Daraufhin drohte die
Polizei dem Demoanmelder erneut mit Konsequenzen. Andererseits versucht die NRW-Landesregierung derzeit das Thema Atom möglichst weichzuspülen, vor allem weil die CDU für die Landtagswahl am 9.
Mai die Tür zu den Grünen offenhalten will. Doch für die Atomanlagen in Gronau, Ahaus, Duisburg und Jülich steht derzeit nur der massive Ausbau auf dem Programm - das gilt es zu ändern.
Ein guter Ansatzpunkt sind die Atommülltransporte nach Ahaus: Für den Tag X wurde in Ahaus heute ein neues Konzept beschlossen: Sobald die für den ersten Atommülltransport notwendige
Änderungsgenehmigung vom Bundesamt für Strahlenschutz erteilt wird, gibt es am folgenden Sonntag um 14 Uhr einen außerordentlichen Sonntagsspaziergang am Atommülllager. Denn: Ahaus-Betreiberin
GNS hat angekündigt, sofort mit der Atommüllverschieberei zu beginnen, sobald das BfS grünes Licht gibt. Danach sollen zweimal pro Woche (!!) Atomtransporte per LKW und Bahn anrollen, weil die
Atommülllager der GNS in Duisburg (Konditionierung) und Jülich (Landessammelstelle Niedersachsen) angeblich total voll sind. Auch aus anderen Atomstandorten, z. B. Karlsruhe und
Dresden-Rossendorf soll Atommüll nach Ahaus kommen. Und spätestens für 2011 sind dann 152 Castoren mit hochradioaktivem Atommüll aus dem Forschungszentrum Jülich für Ahaus angekündigt. Das ist
eine Kampfansage an die Anti-Atom-Bewegung!
Doch für das BfS ist alles easy. Erst neulich stellte das BfS fest, dass angeblich nur alle 260 Jahre ein Transportunfall mit Radioaktivitätsfreisetzung zu erwarten sei. Außerdem sei Schacht
Konrad bei Salzgitter als Endlager total geeignet. Und Norbert Röttgen will ja sowieso superschnell - bis 2030, 2040, 2050 ... aussteigen. Statt Sigmars Märchenstunde nun Norberts
Beruhigungspillen.
Dagegen regt sich in NRW dieses Frühjahr immer mehr Widerstand. Ende Januar gab es bereits einen Autobahn-Aktionstag von Ahaus über Duisburg nach Jülich. In Gronau fanden nach dem Strahlenunfall
im Januar gleich drei Demos mit bis zu 200 Leuten statt - bis heute liegt kein öffentlicher Untersuchungsbericht der Atomaufsicht im Düsseldorfer Wirtschaftsministerium vor. Bloß keine
unangenehmen Fakten auf den Tisch legen, ist die Devise. Am 4. April wird in Gronau ein Ostermarsch die zivilmilitärische Dimension der Urananreicherung in den Vordergrund rücken.
Vom 19.-21. März wird in Ahaus die Frühjahrskonferenz der bundesweiten Anti-Atom-Bewegung stattfinden. Das Programm wird gerade zusammengestellt. Es wird jedoch viel Zeit geben, um über die
Perspektiven zu reden, wie es nach den Großdemos am 24. April und der NRW-Landtagswahl am 9. Mai weitergehen soll. Denn der Kampf um den Atomausstieg wird es dann richtig heiß werden - inkl.
Atommülltransporte nach Ahaus, MOX-Plutonium-Transporte nach Grohnde und Castoren nach Gorleben.
Am 24. April findet in Ahaus die zentrale NRW-Atomausstiegsdemo statt. Während in Biblis das AKW umzingelt wird, im Norden die Landwirte aus Gorleben zum AKW Krümmel trecker-trecken und von
Krümmel nach Brunsbüttel eine Menschenkette gespannt wird, geht es in Ahaus vom Bahnhof zum Atommülllager. Begleitet wird die Demo das ganze Wochenende von einem Widerstandscamp auf der BI-Wiese
am Zwischenlager - Atomausstieg bleibt Handarbeit.
- Fotos vom Sonntagsspaziergang gibt es auf der Seite der anti atom aktuell -